Unser kleiner Veganer

Was du bist vegan? Fehlen dir da nicht ganz wichtige Stoffe in der Schwangerschaft und dann beim Stillen? Hast du keine Angst, dass dein Kind nicht alles bekommt, was es braucht? Darf dein Kind dann auch kein Fleisch essen und keine Milch trinken? Was wenn es aber Fleisch oder Milchprodukte essen möchte, darf es das dann nicht? Wird dein Kind dann nicht möglicherweise von anderen Kindern ausgegrenzt? Wie macht ihr das dann im Kindergarten, in der Schule oder gar bei einer Geburtstagsparty?

So einem Verhör kann man sich immer wieder stellen, wenn plötzlich rauskommt, dass man weder ein Wurstbrot noch einen Kaffee mit Milch möchte. Da bilden sich regelrechte Gruppen von Mamis um einen und kommen mit den abenteuerlichsten Fragen und Ideen. Sichtlich trifft dieses Thema einen Nerv. Bei dem Thema Kind bzw. die Punkte Erziehung und Ernährung denkt jeder, er/sie sei Experte und wisse, wie ein Kind am besten groß würde.

Ich muss sagen, für mich ist das eine neue, fremde und manchmal gruselige Welt das neue Mami sein. Vor allem wenn man sein Kind weder erziehen will, über das Impfen kritisch denkt und sich dann halt auch noch vegan ernährt, wird man skeptisch beobachtet und eher belächelt. Plötzlich wird alles „hinterfragt“, ob das denn auch noch im Interesse des Kindes sei, oder nur ein Egotrip der Mutter. Aber jetzt mal eins nach dem anderen.

Vegan mit Nachwuchs

Ich und die Papa Karotte leben seit mittlerweile vier Jahren vegan. Warum wir diesen Weg gewählt haben, ist eine lange aber irgendwie auch kurze Geschichte. Ich denke kurz zusammengefasst ist es so… Wir möchten unser Ego runterschrauben und uns nicht mehr als „höchstes“ Lebewesen auf diesem Planeten sehen. Wir versuchen mit uns und unserer Umwelt liebevoll und achtsam umzugehen. Aber warum versuchen? Weil wir es jeden Tag üben und praktizieren müssen, es ist keine leichte Sache und bedarf einiges an Ausdauer.

Seit bald einem halben Jahr wohnt unsere kleine Babykarotte nun schon bei uns. Sie gedeiht und wächst prächtig. Das erste Karottengrün wird bereits am Kopf sichtbar. 😉 Die Entscheidung ein Kind in diese Welt zu „pflanzen“, war keine leichte. Aber was letztlich der ausschlaggebende Grund war: Wir brauchen mehr Menschen auf diesem Planeten die unsere Mutter schützen und ehren. Wir brauchen mehr Menschen, die erkennen, dass sie Teil des Ganzen sind und mit sich und ihrer Umwelt besser umgehen. Wir brauchen Menschen die Lieben können.

Die kleine Karotte wird seit sie in meinem Bauch herumgeschwommen ist, ebenso vegan ernährt. Die Schwangerschaft war eine besondere und wundervolle Zeit. Mir ist es supergut gegangen, ich litt weder unter Übelkeit noch sonstigen Beschwerden. Mein Speiseplan hat sich nicht groß verändert, lediglich der Kaffe und Schokoladenkonsum wurde etwas eingeschränkt. Vegan schwanger ist wirklich keine Hexerei! Was denke ich wirklich wichtig ist, ist ein Frauenarzt/Frauenärztin die einen unterstützt und die Werte regelmäßig kontrolliert. Und ja vieeeel Obst, Gemüse und Nüsse versteht sich aber als Veganer eh von selbst. 😛

Beim Stillen gibt es ebenso keine Probleme. Wie ich bereits oben erwähnt hab, unsere Karotte wächst und gedeiht prächtig, sie wird voll gestillt. Weil stillen ja das Gesündeste überhaupt ist, werd ich sie wohl stillen, bis sie sich selbst abstillt.
Man merkt aber schon immer mehr das Interesse an fester Nahrung. Mal gucken, wie lange es noch dauert bis mal so richtig zugelangt wird.

Kakao mit Hafermilch

Ich hab mir schon so einige Gedanken über Beikost und vegane Kinderernährung gemacht und ich denke, wir werden es ganz entspannt angehen. Unser Kinderarzt meinte auch, dass das Zwergi alles essen kann, was wir auch so essen und so werden wir es dann auch machen. Ich werd mir noch ein Buch über vegane Kinderernährung besorgen, damit es auch alles bekommt, was es so braucht. Natürlich wird bei uns nur frisch gekocht und regelmäßig abgecheckt beim Arzt ob alles passt.

Und zu der Frage, ob unser Kind auch kein Fleisch essen oder Milch trinken „darf“, ist ganz einfach zu sagen, bei uns gibt es kein „du darfst“ nicht. Es wird über alles gesprochen und wir werden erklären, warum wir uns so ernähren. Uns ist wichtig, woher unsere Nahrung kommt und welchen Wert sie hat. Wir möchten unserem Kind vermitteln, dass jedes Lebewesen kostbar ist und nicht auf die Welt gekommen ist, um von uns gegessen zu werden. Die Babykarotte soll dann später selbst entscheiden, wie seine Ernährung aussieht. Ich denke, seine Entscheidung wird dann ganz bewusst stattfinden und das finde ich total wichtig. Be aware of what you are.

Machen was sich richtig anfühlt

Ob mein Kind vielleicht mal ausgegrenzt werden könnte, weil es sich vegan ernährt, kann ich nur sagen, das kann leider immer passieren. Es kann schließlich auch passieren, dass Kinder ausgeschlossen werden hinsichtlich anderen Aussehens, Sprache, Art oder eben auch wegen seiner Ernährung. Das ist meiner Meinung nach aber von den Eltern gemacht! Kinder sind so sensibel, kein Kind ist von haus aus böse und grenzt absichtlich ein Anderes aus. Es bedarf aber Eltern die sensibel auf Bedürfnisse der Einzelnen eingehen und sie nicht alleine spielen lassen (nur bis zu einem gewissen Alter natürlich!). Aber da könnte ich ziemlich ausschweifen. Was ich meine ist, durch achtsames Spielen miteinander wird kein Kind wegen irgendwas ausgegrenzt, auch nicht wegen seiner Ernährung.

Wir versuchen unserem Kind gewaltfreie Kommunikation beizubringen bzw. zu leben und dadurch wird es sich hoffentlich auszudrücken wissen und mit gegebenen Situationen besser umgehen können. Ich denke, überhaupt wäre es sehr sinnvoll gewaltfreie Kommunikation schon im Kleinkindalter/Kindergartenalter zu lehren. Da würden sich so so viele Probleme in Luft auflösen. Aber zu diesem Thema und warum wir unser Kind nicht erziehen, mit dem Impfen vorsichtig sind, gibts dann einen extra Artikel :).

Ich hoffe, dass noch viel viel mehr Mamis und Papis sich selbst vegan ernähren und sich auch trauen ihren Kindern diese Werte mitzugeben.

3 Gedanken zu “Unser kleiner Veganer”

  1. Liebe Sabine 😊
    Danke für deine offenen Worte, ich denke du hast damit viele Fragezeichen über den Köpfen vieler, verschwinden lassen. Auch ich war neugierig wie das funktioniert . Danke
    Wie du geschrieben hast, es bedarf Ausdauer so einer Ernährungsumstellung. Die sicher viele nicht auf sich nehmen wollen. Nur eingeschlossen. Ich finde euer Projekt „Karottenhof“ prima 😀auch als nicht Veganer.
    Gglg

    • Hey, das freut mich sehr zu lesen! Voll schön das die unser Projekt gefällt <3 Ich hab mich bemüht es so persönlich, kompakt und verständlich wie möglich zu schreiben. Es ist sicher kein so einfaches Thema, aber ich denke hochaktuell. Vor allem in Anbetracht unserer weltweit, veränderten und extremen klimatischen Bedingungen, werden wir uns diesem Thema stellen müssen. 🙂 Es ist ein voll interessanter und sehr rücksichtsvoller Lebensweg. Ich kann nur jedem empfehlen sich mit diesem Thema mehr auseinander zusetzten, man wird überrascht sein, wie gut es einem damit geht, für eine Sache 100% einzustehen.
      Ganz liebe Grüße, Biene

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