Stockerl bauen im Waldviertel

Auch wenn mein Geburtstag eigentlich erst Mitte Dezember ist, bekam ich bereits im Oktober mein erstes Geschenk. Wuhu! Und was für ein großartiges Geschenk! Ich durfte 1 ½ Tage in der Vollholztischlerei Lechner in Gföhl verbringen und dabei den kompletten Weg vom im Wald stehenden Baum bis zum fertigen Möbelstück erleben. Danke an dieser Stelle nochmals an meine liebe Schwiegermama in spe, die mir das Ganze ermöglicht hat. 😀

Tag 1 – Ab in den Wald!

Da Gföhl nicht gerade eine Nachbarortschaft von uns ist, brachen wir bereits frühmorgens mit Kind und Hund im Gepäck auf Richtung Norden. Den ersten Zwischenstopp machten wir im Wienerwald, genauer gesagt bei meinen Eltern. Diese hatten sich freundlicher- und glücklicherweise dazu bereit erklärt unsere Vierbeinerin für ein paar Tage bei sich aufzunehmen. Danke auch nochmals dafür! 🙂

Nach einem stärkenden Frühstück ging es also weiter Richtung Waldviertel. Nachdem wir unser Zimmer am Klosterhof bezogen hatten, machten sich Biene, Babykarotte und die besagte Schwiegermama in spe auf das Waldviertel zu erkunden. Für mich hingegen hieß es ab in die Tischlerei. Am Plan stand gemeinsam mit dem Chef der Tischlerei, Roman Lechner und zwei anderen Teilnehmern in den Wald zu fahren, um dort einen Baum zu fällen.Umgeschnittener Baum

Der auserwählte Baum stand schnell fest.  Die Wahl fiel auf eine bereits völlig vertrocknete und schlanke Föhre. Das Waldstück in dem wir uns befanden, war relativ klein und vom Vorbesitzer mehr schlecht als recht „gepflegt“ worden. Umso wichtiger war es Roman hier wieder einen gesunden Mischwald entstehen zu lassen, bei dem er so wenig wie möglich eingreift. Die Natur weiß schließlich was sie tut und man sollte ihr wieder mehr Raum und Freiheit geben.

Wie ihr euch vorstellen könnt, war mir diese Einstellung sofort sympathisch. Als jemand der selbst versucht möglichst achtsam mit seiner Umwelt umzugehen, war ich richtig erleichtert, dass nicht ohne Rücksicht auf Verluste einfach willkürlich ein Baum gefällt wurde zu Showzwecken. Generell muss ich hier erwähnen, dass Roman ein wirklich feiner Kerl ist, mit dem es sich ausgezeichnet plaudern lässt. Er ist nicht nur Tischler aus vollster Überzeugung, sondern hat auch ganz klare Werte, für die er und sein Unternehmen steht. Etwas, dass man heutzutage leider viel zu selten findet, in einer schier endlosen Menge an Unternehmen, die lediglich in größer, schneller, weiter denken.

Nachdem wir den Baum gefällt, in handliche Meterware geschnitten und ins Auto geladen haben, ging es weiter ins nahe gelegene Sägewerk. Der von uns gefällte Baum sollte dort zwar nicht verarbeitet werden, sondern sollte später als Heizmaterial dienen. Aber wir konnten uns alle Maschinen und Arbeitsvorgänge einmal in natura ansehen und erleben, wie aus einem ganzen Baumstamm absolut perfekt geschnittene Bretter wurden. Ein spannender Einblick, wenn man eine gewisse Faszination für Holz mitbringt.

Zum Abschluss des Nachmittags ging es dann noch in die Werkstatt. Dort wurde dann nicht nur überlegt, was am darauffolgenden Tag gebaut werden sollte, sondern auch direkt das passende Holz zusammengesucht. Nachdem der Plan ein Stockerl zu bauen feststand, wühlte ich mich also durch die Unmengen zur Verfügung stehender Holzstücke. Da es sich bei einem Großteil der Hölzer um Reste bzw. Verschnittstücke handelte, gab es nicht nur unzählige einzigartige Teile, sondern es wurde auch Holz verwendet, was sonst quasi als Abfall schlicht verheizt worden wäre. Top!

Tag 2 – Ran an die Arbeit!

Am zweiten Tag stießen noch eine Handvoll weiterer TeilnehmerInnen dazu, um ebenfalls etwas zu erschaffen. (Der Kurs konnte auch nur eintägig gebucht werden.) So unterschiedlich die Menschen waren, so unterschiedlich waren auch die Ideen und die letztendlich entstandenen Objekte. Vom Fernsehtisch, über ein kleines Blumentischerl bis hin zum mannsgroßen stummen Diener war allerlei dabei.

Holzstamm mit SägeIch schnappte mir meinen am Vortag gefundenen Nussstamm und begann mit der Handsäge diesen zu vierteln. Die Beine meines Stockerls sollten nämlich aus einem einzigen Stamm gesägt werden. Neben der auffälligen Sitzfläche für mich definitiv das Highlight am Stockerl. Da sich die vorhandene Säge in einem eher, sagen wir einmal suboptimalen Zustand befand und sich partout keine andere hatte finden lassen musste dann doch der Fachmann ran. Mithilfe einer Bandsäge war nach nicht einmal einer Minute zumindest dieser Teil der Arbeit erledigt. Kurz durch die Hobelmaschine und mit der Kreissäge auf Länge geschnitten und schon hatte ich vier perfekt geschnittene Beine für mein Stockerl.

Nächster Schritt: die Platte. Ich hatte mir für meine Sitzfläche verschiedene Bretter ausgesucht, die zusammengeleimt eine einzigartige Oberfläche bieten sollten. Nachdem ich die einzelnen Hölzer auf die gewünschte Länge geschnitten, mit Leim bestrichen und eingespannt hatte, hieß es also erst mal warten. Also eigentlich nicht. Während der Leim trocknete, habe ich mich daran gemacht, die Beine zu bearbeiten. Reste der Rinde entfernen, abschleifen, Löcher für Holzdübel bohren.

Während das Untergestell zusammengeleimt wurde, konnte ich mich wieder der Platte widmen. Mittels Feile musste ich erst mal die Ecken und Kanten etwas entschärfen. Danach rückte ich mit immer feiner werdendem Schleifpapier an. Roman bemerkt, dass meine Platte gar keine Löcher zum Aufheben hatte. Also half er mir kurzerhand und ich war bereits auf dem Weg die bereits zurückgelegte Feile wiederzuholen. Nachdem alle Ecken und Kanten entschärft waren und das Untergestellt praktisch fertig war, hieß es schleifen, schleifen und nochmals schleifen. Mein Stockerl sollte ein echter Handschmeichler werden, so viel stand fest. 😀Collage Stockerl Einzelteile

Als die Oberfläche meinen Ansprüchen genügte, hieß es Endmontage. Das verleimte Untergestellte sollte mithilfe von 4 Schrauben mit der verleimten Platte verbunden werden. Gesagt getan. Jetzt fehlte eigentlich nur noch eins: Ölen. Wahnsinn, was ein wenig Öl für einen Unterschied macht. Nicht nur optisch sorgte es für eine unglaubliche Veränderung, vor allem auch der Geruch war fantastisch. So muss ein fertiges Möbelstück riechen. Nicht nach Pressspannplatten und Karton, wie man es sonst von diversen Möbelhäusern gewohnt ist.

Und nicht ganz ohne Stolz, hier nun das fertige Stockerl:

Collage Fertiges Stockerl

Bei den verwendete Holzsorten handelt es sich unter anderem um: Zirbe, Ulme, Kiefer, Birne, Nuss & Eiche.

Wer also etwas für das Arbeiten mit Holz über hat und gerne einmal selbst mit Fachleuten sein ganz persönliches Möbelstück oder Kunstobjekt erschaffen möchte, dem sei die Vollholztischlerei Lechner wärmstens empfohlen!

Gruppenfoto in der Vollholztischlerei Lechner
Gruppenfoto am Ende des zweiten Tages. (Bildrechte liegen bei der Vollholztischlerei Lechner)

2 Gedanken zu “Stockerl bauen im Waldviertel”

  1. Hallo lieber Stefan,
    ……… Bisserl spät, aber doch: deine Arbeit sieht superschön aus! Gratuliere-du bist ein wahres Talent! 👍Allein die Auswahl deiner Hölzer spricht für Geschmack-ein gelungener Mix an Natur. Es freut mich sehr, dass du diesen Tag genossen hast und er für dich auch so nachhaltig ist. Es ist schön zu wissen, dass es doch noch Unternehmen gibt, die ihr Wissen weitergeben wollen…. Und das an Menschen, die nicht unmittelbaren Profit einbringen – außer natürlich die gute und wohlverdiente Nachrede! Bravo!!
    Alles Liebe deine Schwiegermama in spe (bald in echt😁😁)

  2. Was ich noch sträflich vergessen habe: danke für deinen ausführlichen und eindrucksvollen Bericht über diesen Tag-hat mich überzeugt! 👍

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