Ein Haus im Grünen reicht uns nicht!

Zunächst möchten wir uns dafür entschuldigen, dass es so lange so still auf unserem Blog war. Soviel gleich vorweg, ab jetzt wird es hier wieder mehr Lesefutter für euch geben. Doch warum war es die letzten Wochen und Monate eigentlich so still hier? Nun, das hat grundsätzlich mehrere Gründe, doch wenn wir wirklich ehrlich zu uns selbst sein wollen, und das wollen wir, dann gibt es eigentlich auch nur einen, wirklichen Grund. Doch eines nach dem anderen.

Seit dem Start dieses Projekts haben wir viele Gespräche geführt, viele andere Projekte entdeckt und vor allem viel nachgedacht, miteinander gesprochen und auf unser Herz gehört. Dabei haben wir sowohl Häuser als auch neu erschlossene Baugründe entdeckt und besichtigt. Doch irgendwie fühlte sich unser Handeln nicht hundertprozentig richtig an. Irgendwas hinderte uns dabei wirklich dafür zu brennen endlich ein Haus oder ein Grundstück zu finden. Besonders die Ernüchterung darüber, dass es leider keinerlei Aussicht darauf gab, ein Stückchen Land gegen eine andere Art Gegenleistung als Geld zu bekommen, bremste uns doch mehr als wir es uns eingestehen wollten.

Wo könnten wir Land finden?

Im Herbst 2018 drehten sich unsere Gedanken großteils darum, welche Regionen wir uns wirklich als mögliche, zukünftige Heimat vorstellen könnten. Denn nach den ersten Ergebnissen in Sachen Haus bzw. Grundsuche war schnell klar, dass es aus finanzieller Sicht wohl auf drei Regionen hinauslief. Teile des Waldviertels in Niederösterreich, das Südburgenland und der Südosten der Steiermark. Alles andere in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark war entweder zu teuer, klimatisch problematisch oder schlicht weg keine Region, in der wir tatsächlich leben wollen.

Also haben wir uns hingesetzt und versucht Vor- und Nachteile der jeweiligen Region aufzuschreiben. Dabei kristallisierte sich besonders ein Aspekt als wichtiger Faktor für unsere Suche heraus. Wir wollen nicht in eine sterbende Gemeinde ziehen. Denn wir wollen nicht kilometerweit in die nächste größere Gemeinde fahren müssen, damit unsere Baby-Karotte mit gleichaltrigen spielen kann. Die damit verbundene verstärkte Abhängigkeit von einem eigenen Auto verstärkte das Ganze zusätzlich.

Also was tun?

Ein Grundstück in einer Siedlung aus neu gebauten Einfamilienhäusern kaufen? Eine Möglichkeit, doch der Faktor Grundgröße, Preis und vor allem die unausweichliche Verpflichtung einen Kredit dafür aufnehmen zu müssen beförderten diese Idee dorthin, wo sie ohnehin hingehörte. Nämlich auf den „Genau DAS wollten wir doch eigentlich nie!“-Stapel. Also beschlossen wir noch mal einen Schritt zurück zu gehen und darüber zu sprechen, was sich in unserer momentanen Lebenssituation richtig anfühlt.

Was wir wirklich wollen!

Wir wollen uns immer noch so gut wie möglich mit Gemüse Selbstversorgen. Unsere Abhängigkeit von einem eigenen Auto reduzieren bzw. im Idealfall ganz aufgeben. So viel Zeit wie möglich mit unserer Baby-Karotte verbringen. Versuchen eine andere Art des Lebens zu erforschen, als wir es bis jetzt getan haben. Und allen voran wollen wir unserer Baby-Karotte ein Umfeld bieten, im dem Bedürfnisse respektiert und berücksichtigt werden. Auch außerhalb unserer eigenen vier Wände. Ein Umfeld, in dem wir nicht unbedingt die einzigen Menschen sind, die sich über die Themen Umweltschutz, unerzogen, Ernährung, gesellschaftlichen Wandel, andere Wirtschaftssysteme und allen voran andere Werte als Geld, Erfolg und Macht sind.

Nachdem wir unsere Ziele also angepasst und neu evaluiert hatten, kamen wir zu folgenden Erkenntnissen:

  • Wir wollen nicht den „klassischen“ Weg gehen und uns per Kredit ein Haus bzw. Grundstück kaufen.
  • Wir wollen nicht zwei, drei oder gar mehr Stunden benötigen, um per Bus oder Bahn nach Wien zu gelangen.
  • Bei unseren ursprünglichen Zielen haben wir einen Faktor viel zu schwach bewertet. Das hat dazu geführt, dass unser primäres Ziel eigentlich nicht zu 100% korrekt ist, denn …
  • …ein Stückchen Land und ein Häuschen im Grünen reicht uns nicht!*

*Zumindest nicht, wenn die Umgebung und vor allem die Menschen rundherum bis jetzt so gar keine Berührungspunkte mit unseren Grundthemen hatten.

Versteht uns nicht falsch, wir sind nicht der Meinung, dass es am Land keine Menschen gibt, die sich für unser Projekt begeistern können. Ganz im Gegenteil sogar. Wenn wir aber ehrlich zu uns selbst sind und unsere derzeitige Lebenssituation mit Baby-Karotte, Hund und Katzen berücksichtigen. Dann müssen wir ehrlicherweise sagen, dass wir im Moment nicht die Kraft und auch nicht die Muse dazu haben in einer uns fremden Umgebung von null weg etwas aufzubauen. Das mag sich in Zukunft wieder ändern können. Aber zurzeit sehnen wir uns nicht nur nach mehr Land, sondern vor allem darum wieder Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Besonders seit der Geburt unserer Baby-Karotte spüren wir immer öfter, dass so Vieles so viel angenehmer wäre, wenn man nicht tagtäglich alleine auf weiter Flur stehen würde. Wenn man nicht jede Entscheidung ständig erklären und rechtfertigen muss, weil sonst in der Umgebung kaum jemand ehrliches Interesse daran hat. Sei das nun das Thema Baby Led Weaning ( Mehr dazu in den nächsten Tagen 😉 ), Vegan, Politik, Mobilität, Kinderbegleitung (Erziehung ist einfach ein schreckliches Wort), Freilernen, uvm.

Was wir nun vorhaben

Im Idealfall? Nun, im Idealfall ziehen wir in ein Ökodorf, eine Gemeinschaft oder wie auch immer man es nennen möchte. Wir wollen in eine Gemeinschaft ziehen, in der sich bereits Menschen als unterschiedlichen Altersgruppen zusammengefunden haben, um gemeinsam einen ökologischeren, nachhaltigeren und respektvolleren Weg zu gehen. Eine Gemeinschaft, die im besten Fall selbst Gemüse anbaut (oder es plant), Kindern Raum zur selbstständigen Entfaltung lässt, gemeinschaftlich kocht, isst und feiert (freiwillig natürlich), Veränderung begrüßt und nicht verteufelt und selbstverständlich regelmäßig Lagerfeuerabende abhält. 😉

Aus diesen Gründen wird das Projekt in Zukunft übrigens nicht mehr „Karottengrün Hof“, sondern „Karottengrün Familie“ heißen. Die Namensänderung soll unsere Weiterentwicklung und Neuausrichtung unterstreichen und zeigen, dass Veränderung für uns etwas Positives, Wünschens- und Erstrebenswertes ist. Denn es gibt kaum etwas Natürlicheres als ständige Veränderung.

Gibt es denn solche Gemeinschaften in Österreich?

Bei ersten Recherchen konnten wir auch bereits einige interessante Gemeinschaften bzw. Projekte aufspüren. Natürlich werden 1-2 Besuche nicht ausreichen, um festzustellen, ob es für alle Beteiligten passt und sich richtig anfühlt. Also haben wir uns als Ziel für 2019 gesetzt unterschiedliche Projekte zu besuchen und kennenzulernen, um zu überprüfen, ob dies der richtige Weg für uns sein könnte. Wir wollen einerseits in Gemeinschaften „hineinschnuppern“ und deren Abläufe, Herangehens- und Lebensweisen erfahren. Und andererseits auch den Gemeinschaften die Möglichkeit geben uns kennenzulernen. Schließlich ist ein solcher Zusammenschluss an Menschen etwas völlig anderes, als alles was wir bis jetzt gekannt haben.

So viel können wir schon verraten: Direkt nach dem wir diesen Beschluss gefasst haben, hatten wir ein wirklich gutes Gefühl in der Magengrube. Und das kann kein allzu schlechtes Zeichen sein, oder? 😉

2 Gedanken zu “Ein Haus im Grünen reicht uns nicht!”

  1. Hmmm gewiss schwierig…
    Euer Grundgedanke ist ja nicht schlecht, ich meine damit das ihr euere Nahrungsversorgung selber anbauen wollt. Aber ein Tauschhandel wird es nie wieder geben … so wie früher. Und Land oder Häuser musste man immer schon kaufen. Ihr müsst ja Strom , Internet ect… auch bezahlen 🤔
    In eine Gemeinschaft ziehen …. hört sich für mich Kommunenhaft an…..
    Eigentlich geht ihr eurer Babykarotte eh schon das Beste was es gibt. Ihr wohnt auf dem Land , baut selber an und lehrt ihm was Werte sind….. was ist daran zu wenig????? Glg

    • Hey Claudia!
      Danke für deinen Kommentar! Zunächst möchten wir sagen, wir freuen uns sehr, dass diese Themen zu einem Austausch anregen und dich dazu bewegt haben uns einen Kommentar zu hinterlassen. 🙂

      Wir beziehen uns bei unserem Wunsch nach einer anderen Art von Tauschhandel nicht auf die Weltwirtschaft, sondern auf kleinere Tauschkreise mit anderen Menschen und nicht mit Geschäften. Dies ist definitiv möglich, denn ich kann ja zum Beispiel mir mit einem Bauern ausmachen, dass er mich mit Gemüse versorgt und ich ihm dafür bei der Ernte helfe ( oder Ähnliches). 🙂

      Natürlich kann man es so machen und Häuser bzw. Grundstücke kaufen. Wir würden allerdings lieber einen anderen Weg gehen oder zumidnest mit anderen gemeinsam etwas erwerben ohne das jeder einen riesen Schuldenberg anhäufen muss. Denn wäre es nicht besser, wenn wir uns nicht alle deartig abhängig von Banken machen müssten? Wir fänden einfach ein autarkeres Leben sehr reizvoll. Ohne Abhängigkeiten von Banken, Stromanbietern, etc. um einfach freier in unseren Entscheidungen sein zu können.

      Empfindest du Kommunen denn als etwas negatives? Für uns ist eine Kommune lediglich ein Zusammenschluss von unterschiedlichen Menschen, die gemeinsame Ziele und Projekte verfolgen möchten. ( Was der Definition des Begriffs „Kommune“ entspricht.)

      „Das Beste“ ist etwas sehr subjektives, dass wir sicher anders auslegen als du es vermutlich tust. Ich finde, diese Aussage kann man eigentlich nicht für andere Menschen treffen. Schließlich hat jeder Mensch andere Dinge, die einem wichtig sind. Und sind nicht gerade diese Unterschiede spannend und wertvoll für eine diverse, moderne Gesellschaft? 🙂

      Liebe Grüße!

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