Die Baby-Karotte hat es selbst in der Hand

Bald sind es neun Monate. Wahnsinn wie die Zeit verfliegt, dauernd verändert sich etwas, sei es die Zähne, wo gerade wieder einer kommt, die Bewegungsfähigkeiten, das Interesse an allen noch so kleinen Dingen und natürlich auch das Essverhalten. Seit ca. 2 Monaten isst unsere Baby-Karotte mit am Tisch und statt Brei gibt es seit Anfang an Gemüse und Obst im Ganzen. Denn wir haben uns für BLW (Baby led weaning) entschieden.

Doch was ist BLW genau und warum ziehen wir feste Nahrung dem Brei vor?

Baby Led Weaning bedeutet, vom Baby gesteuertes Abstillen. Ab dem Erreichen der Beikostreife* bekommt das Baby feste Kost. Bei BLW gibt das Kind das Tempo vor, wann der Übergang von Muttermilch passiert. Anders als bei der herkömmlichen Breimethode bei der die Eltern bestimmen. Die Entwicklung von Kindern passiert automatisch und dann, wenn das Kind bereit ist den nächsten Schritt zu machen. Wir sehen es bei der Baby-Karotte, er drehte sich plötzlich von heut auf morgen auf den Bauch, jetzt robbt er und nächste Woche zieht er sich vielleicht schon wo hoch. Alles ohne jeglichen Input von außen. Dementsprechend erschien es uns auch natürlich, dass er einfach irgendwann anfangen würde, Interesse am Essen zu zeigen. So war es auch.

Jetzt bekommt er zum Frühstück wahlweise Obst, Brot oder Toast mit Nussmus, Overnight Oatmeal, Chiapudding, Smoothies usw. Zu Mittag z.B. Gemüsecurry und am Abend gibt es Gemüsesticks wie Gurke und Paprika und Brot mit Hummus. Er isst alles, das was wir eben auch essen, der einzige Unterschied wir Salzen und Zuckern seine Portionen nicht. Zwischendurch wird er noch immer nach Bedarf gestillt. Die Menge, die er wirklich runterschluckt ist noch gering, aber es geht ja auch noch mehr ums Riechen, Schmecken und Fühlen. Mal schauen wann wirklich mehr im Magen, als am Boden landet.

In der Ruhe liegt die Kraft

Die Herausforderung ist es, sich nicht, während das Kind isst einzumischen. Man hat vor allem am Anfang doch vermehrt Angst, dass das Kind sich verschluckt. Wichtig ist es nur, sein Kind machen zu lassen. Das heißt auch, dass es würgen darf und sogar muss. Es muss ja schließlich lernen, wie groß denn z.B. der Biss einer Banane sein soll und damit eben kein so ein großes Stück zu weit hinten landet würgt es dieses raus. Auf keinen Fall in den Mund greifen! Ich weiß es ist schwer und ich habs auch das ein oder andere Mal gemacht. Aber es ist wirklich gefährlich, dass das Stück noch weiter nach hinten rutscht. Also Finger weg! Wenn sich das Baby doch verschluckt unbedingt Ruhe bewahren, aus dem Sitz nehmen und mit gezielten klopfen auf den Rücken das Stück rausbefördern. Es gibt ein paar Lebensmittel, die zu Anfang vermieden werden sollten, wie ganze Nüsse, ganze Weintrauben (halbiert kein Problem), ganze Heidelbeeren (detto), Gnocchi (wenn sie zu rund und klein sind), also alles, was super im Hals stecken bleiben könnte.

BLW steht für mich auch dafür zu lernen seinem Kind zu vertrauen, dass es spürt was es essen möchte und wie viel davon. Man merkt, dass unsere Babykarotte immer selbstsicherer und geschickter wird. Auch denke ich, wird durch unser Vertrauen in sein Können sein Selbstvertrauen gestärkt. Es macht so Spaß ihm zu zu schauen, wie er neue Dinge kostet, greift und doch immer wieder eine echte „Sauerei“ veranstaltet. Er hat solch einen Spaß und genau so muss es sein.

Ich kann jedem wärmstens Empfehlen sich mit diesem Thema auseinander zusetzten und es zu versuchen. Es macht so Spaß und bedeutet einfach wesentlich weniger Aufwand im Alltag. Denn warum sollten wir zusätzlich für die Baby-Karotte kochen, wenn wir ohnehin nur mit frischen bio Gemüse arbeiten? Einfach das, was man für sich selbst kocht auch dem kleinen Zwerg geben. Nur auf Salz, Zucker und Honig sollte man bei der Kinderportion verzichten. Super easy cheesy für uns, gesund und spaßig für unsere Baby-Karotten. 😀

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*ab dem 6. Monat bzw. Baby sitzt fast alleine, will bereits mitessen, imitiert Kaubewegungen, kann Hand zum Mund führen und Zungenstoßreflex ist bereits abgeschwächt.

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